Smart Office in der Ideenwerkstatt

15.05.2018 | Allgemein | 0 Kommentare

Übernimmt das Smart Office die Kontrolle über uns, wenn wir an unserem Schreibtisch unsere Aufgaben erledigen? Folgt auf die Automatisierung des Autos nun die Automatisierung des Büros? Werden Algorithmen sagen, was wir zu tun oder zu lassen haben? Oder erleichtern sie uns das Leben, halten uns fitter und machen uns zugleich produktiver? Was wie Science Fiction klingt, ist bereits Realität. Um den Begriff Smart Office verstehen zu können, werfen wir als erstes mal einen Blick auf den Entwicklungsweg.

Smart Office und Smart Home

Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) testet man seit 2009 am intelligenten Haus der Zukunft, das in einem integrierten Ansatz Wohnen (Smart Home), Verkehr (Elektromo­bilität) und Energie (Smart Grid) so kombiniert, das am Ende eine bestmögliche Nutzung und mehr Komfort steht. Jetzt steht das Smart Home vor dem Durchbruch. Laut Smart Home Monitor 2016 zeigt die Hälfte der Befragten Inter­esse an smarten Assistenten. Ein intelligentes Zuhause, in dem Geräte miteinander ver­netzt sind und sich per Smartphone oder Tablet überwachen und steuern lassen, stößt also durchaus auf Akzeptanz – wenn die Anwendungen auf die Bedürfnisse der Nutzer ausgerichtet sind.

Smart Office – Voll vernetzt oder The new Way of Work?

Das Büro macht natürlich keine Ausnahme bei der Smart-Offensive. Dabei geht es vor allem um drei Bereiche: Wie lassen sich durch den Einsatz von Sensoren das Wohlbe­finden am Arbeitsplatzes erhöhen, die Qualität des Arbeitsumgebung steigern sowie die Raumnutzung optimieren und Kosten senken? Auf der ORGATEC 2016, dem Branchen­treff der Einrichter, waren erste Anwendung und Apps zu sehen. Dabei ist Sensorik im Büro prinzipiell keineswegs etwas völlig Neues. Sensoren steuern Türen, den Energie­verbrauch und das Licht, aber in der Regel in eigenen Schaltkreisen und nicht vernetzt. Neu ist, dass automatische Sensoren in Schreibtische und Bürodrehstühle integriert werden. Die sogenannten Activity Based Work Produkte sollen nicht nur Produktivität und Effizienz steigern, sondern auch unser Feel Good am Arbeitsplatz erhöhen. Nutzer werden bei der Stuhleinstellung auf falsche Sitzpositionen hingewiesen oder vom Schreibtisch zum regelmäßigen Positionswechsel animiert. Büromöbel werden so zu persönlichen Gesundheits- und Fitnesstrainern, die smart per App gesteuert werden.

Smart Office Vorbilder

Einen Vorgeschmack, was die Zukunft fürs Büro bringen könnte, lieferte unlängst das wohl nachhaltigste Bürogebäude der Welt, „The Edge“ in Amsterdam. Entwickelt wurde es vom niederländischen Projektentwickler OLG Real Estate in enger Zusammenarbeit mit dem Ankermieter Deloitte. „The Edge“ steht für eine neue Form des Bürodesigns, für eine lebende kollaborative Arbeitsumgebung, die zugleich den Komfort erhöht und die Gesundheit fördert. Das klingt nicht wirklich neu, aber die Art, wie die Ziele erreicht werden sollen, ist es aber schon – per Technologie. Das Gebäude passt sich nicht nur den sich ändernden äußeren Bedingungen an. Es ist durch die komplette Vernetzung von Gebäude, Raum und Arbeitsplatz auch besonders intelligent, um so zu einer effi­zienteren und klügeren Nutzung beizutragen. Die App verteilt täglich die Arbeitsbe­reiche an die Mitarbeiter, die ihren jeweiligen Vorlieben entsprechen. Smartphone oder Tablet steuern Licht und Klima am Arbeitsplatz – oder sie führen den Mitarbeiter auf den direktesten Weg von A nach B. Nichts passiert in „The Edge“, ohne dass es registriert würde.

Smart Office lernt aus den Daten

Unbestritten ist, dass die Umgebungsbedingungen einen großen Einfluss auf die Leist­ung von Mitarbeitern besitzen. Dazu zählen u.a. Licht, Klima, Temperatur und der Ge­räuschpegel. Bis dato waren fundierte Erkenntnisse über die Nutzung von Räumen meistens im Reich der Spekulation angesiedelt. Aber die Technologie liefert nicht nur ein viel aussagekräftigeres Feedback und validere Daten, sondern bietet erstmals auch die Chance, die Arbeitswelt viel stärker an die Bedürfnisse jedes Einzelnen anzupassen. Weil wir davon überzeugt sind, arbeiten wir bei Haworth an eigenen Konzepten, um Daten zu erheben und für eine optimierte Raumplanung zu nutzen. Mit dem Einsatz der Sensorik finden wir beispielsweise heraus, wie intensiv Arbeits – und Besprechungsbereiche oder wie Verkehrsflächen frequentiert werden. Nachvollziehen zu können, wie sich Mitarbeiter während des täglichen Kommens und Gehens innerhalb eines Gebäudes bewegen, ist wesentlich, um eine optimale und maximale Ausnutzung zu erzielen. Diese Erkenntnisse münden in einer verbesserten Arbeitsumgebung für die Mitarbeiter – gleichzeitig führen sie auch zu einer besseren Ausnutzung der in den Innenstädten mittlerweile knapp gewordenen Flächenressourcen.

Smart Office – Ausblick

Die Leistungsfähigkeit eines Smart Offices hängt dabei in erster Linie von zwei Faktoren ab: von der Erhebung aller Daten sowie ihrer vollstän­digen Integration. Für Mitarbeiter mag das wirken, als sei das Smart Office ein weiterer Schritt zu mehr Kontrolle, Überwachung und mehr Fremdbestim­mung. Die Gefahren existieren. Die Akzeptanz solcher Konzepte wird davon abhängig sein, wie der Datenschutz garantiert ist, Unternehmen offen und transparent kommunizieren und das Smart Office das Leben der Menschen tatsächlich erleichtert. Mit der Ideenwerkstatt wollen die Office Group und Haworth dazu beitragen neue Trends zu erkennen, sie gleichzeitig auf Nachhaltigkeit zu prüfen und sie denjenigen zu präsentieren, für die das Smart Office der tägliche Arbeitsort ist oder sein wird. Wir heißen Sie herzlich willkommen in der Ideenwerkstatt.

Stefan Kiss
Senior Workplace Strategist und
Mitglied im Ideation Team des global agierenden Büromöbelherstellers Haworth.

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