Dezentrale Coworking Spaces – Interview Gerd Krohn Teil 2

Dezentrale Coworking Spaces haben wir den 2. Teil des Interviews mit Gerd Krohn einem der beiden Gründer des smartvillage in München getitelt. Wo geht denn die Reise mit den Coworking Spaces hin ? Wie können die großen Konzerne von der Entwicklung profitieren und wo können diese dazu sogar Entscheidendes beitragen ?

Gerd, lass uns nun gemeinsam in die Zukunft schauen. Die Office Group präsentiert in der Ideenwerkstatt schon jetzt das Büro von morgen. Was siehst Du mit Deiner Erfahrung am Markt als die Nachfrage-Trends der nächsten Jahre ?
Ich glaube die Wachstumsrate bei den Coworking Spaces wird nur moderat weitergehen, denn ein bestimmter Bedarf ist nun erstmal gedeckt. Jetzt wird sich zeigen, wie die Anbieter damit Geld verdienen können, bevor weitere Kapazitäten geschaffen werden. Die großen drei Anbieter wie WeWork, Mindspace und Regus haben sich seit 2017 hier neu auf den Bedarf eingestellt. Ich sehe mittelfristig eine Konzentration der Standorte. Corporate Coworking wird sich etablieren. Das heißt die großen Konzerne entwickeln und eröffnen eigene Coworking Spaces und treiben dadurch neue Workplace-Konzeptionen weiter voran. Spannend finde ich das Potential für dezentrale Coworking Spaces am Rande oder außerhalb der Metropolen im sogenannten ländlichen Raum. 

smartvillage mit visionen

@smartvillage Gerd Krohn (re.)

Welche Rolle siehst Du dabei für euer smartvillage-Konzept in den nächsten drei Jahren?
Hier in München haben wir mit unserem Campus quasi das Flaggschiff und gleichzeitig das Testlabor der smartvillage-Vision. Dennoch sehe ich aktuell für uns nicht die Eröffnung von weiteren smartvillages in anderen Städten. Ich glaube vielmehr, dass wir mehr gefordert sein werden, den Mittelstand bis zu den großen Konzernen als Berater zu begleiten. Bei der Weiterentwicklung der Themen „Corporate Coworking“ und „Dezentrale Coworking Spaces“ sehe ich uns für die Unternehmen als Partner beim Implementieren und auch als unabhängiger Betreiber von solchen neuen Flächen. Dadurch werden wir als neutraler Player für die Unternehmen eine offene Kultur nach Außen aufbauen. Hier sind aktuell schon mehrere Projekte in der Planung.  

Mit welchen willst Du bei den Konzernen „anklopfen“? Welche Visionen stecken in Deiner Ideenkiste?
Das möchte ich schon ein wenig ausholen, um meinen Blickwinkel darzustellen: Für das Coworking in den Unternehmen sehe ich kein Generationenproblem. Es sind nicht die jungen Mitarbeiter grundsätzlich offen dafür und die älteren Semester argumentieren dagegen. Das Miteinander funktioniert, wenn Du jeder/jedem auch künftig die Auswahl bietest, seinen Arbeitsplatz gemäß seinen Bedürfnissen in den sogenannten „Flexible Working Areas“ selber frei zu wählen. Die größte Sorge des Mitarbeiters ist der Verlust seines Arbeitsplatzes. Unternehmen, ob groß, mittel oder klein, sollten, wenn sie das Thema Coworking Space starten, unbedingt die Mitarbeiter bei jedem Entwicklungsschritt mit im Boot haben. Die Mitarbeiter sollten unbedingt vor der Gestaltung der Coworking Spaces gefragt werden, welches Arbeitsumfeld sie für die unterschiedlichen Herausforderungen ihres Alltagsgeschäfts bevorzugen. In dieser Hinsicht leistet die Office Group ja Wegweisendes, z.B. beim Umzug von HAWE, wie ich im Blog von Markus Menzinger gelesen habe. Natürlich braucht es dann auch die Umsetzung dieser Rückmeldungen, dann werden alle Mitarbeiter-Generationen ohne Verlustängste offen für diese Entwicklung sein.

dezentrale coworking spaces 3

©smartvillage München

Wie offen sind denn nach Deiner Erfahrung die Konzerne, sich darauf einzulassen? Woran hapert es noch ?
Bei den von mir genannten aktuellen Projekten mit Konzernen z.B. aus München muss ich natürlich noch viel Überzeugungsarbeit leisten. Wenn wir von Konzernen Flächen zur Verfügung bekommen, um dort Flexible Working Areas einzurichten, werde ich weiterhin als erstes gefragt, wie viele Arbeitsplätze denn dort vorgesehen sind. Meine Gesprächspartner gehen mit ihrer Unternehmensbrille da gewohnt pragmatisch vor und wollen quasi eine Rechnung haben, die Antwort gibt auf die Frage: Wie viele Arbeitsplätze bekommt wir dann pro Quadratmeter ? 

Deine Rechnung geht aber bestimmt ganz anders?
Na klar. Ich sehe nach der Befragung der Mitarbeiter schon ganz verschiedene Arbeitsmöglichkeiten vor mir. Das kann natürlich weiterhin auch der klassische Büroschreibtisch sein. Natürlich technisch optimal eingerichtet und auf die jeweiligen Mitarbeiter abgestimmt. Aber modern eingerichtete Coworking Spaces bieten darüber hinaus eine Vielzahl von Begegnungs- und Austauschmöglichkeiten der verschiedenen Nutzer. Es gibt gemeinsam genutzte Lounges, Meetingräume, Küchen und Pausenräume genauso wie Framery-Boxen, welche für ganz konzentriertes Arbeiten großen Sinn machen können. In all diesen unterschiedlichen Zonen gibt es „Arbeitsmöglichkeiten“. Diese aber „hochzurechnen“ und auf die Quadratmeterzahl „umzulegen“ entspricht nicht dem Gedanken von New Work. Trotzdem behalten wir natürlich alle Arbeitsschutzrichtlinien im Blick. Und es gibt hier auch nicht immer gleich den großen Wurf und alles passt sofort optimal zueinander. Wir starten hier zum Teil auf kleinen Testflächen von 300- 500 qm. Dort beobachten und messen wir die Nutzung der einzelne Flächen in diesen von uns gestalteten Flexible Working Areas. Ein Ergebnis kann es dann sein, die einzelnen Areas genauer zu justieren, damit die Mitarbeiter davon optimal profitieren können. 

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©smartvillage München

Wenn Du nun mit verschiedenen Konzernen zum einen und auch dem Mittelstand zum anderen darüber im Kontakt bist, bekommst Du doch noch mehr den Blick für das große Ganze. 
Richtig, ich habe eigentlich noch eine viel größere Vision auf dem Herzen. Für mich ergibt sich der größere Zusammenhang für Veränderungen des New Work durch die Frage des Wohnortes und des Arbeitsweges der Mitarbeiter. Stichworte wie Homeoffice und Vertrauensarbeitszeit geben den Mitarbeitern mehr Freiheiten, fordern aber gleichzeitig Effizienz ein. Doch wir müssen genauer darauf achten, wie der Lebens- und Arbeits-Alltag in unseren Großstädten aus Sicht der Mitarbeiter funktioniert. Passender und bezahlbarer Wohnraum steht oft nur noch außerhalb der Zentren in der Peripherie der Großstädte zur Verfügung. Trotz der Freiheiten in der Arbeitszeitgestaltung müssen die Mitarbeiter daher zum Teil weite Wege auf sich nehmen, um – ob nun täglich oder mehrmals die Woche – zu ihrem Unternehmensstandort zu pendeln. In und rund um München haben wir z.B. mehr als 1,2 Million Pendler jeden Tag. Diesen Aspekt möchte ich in meine Vision des New Work einbeziehen.

Welche Bedeutung haben diese Aspekte für die Einrichtung von dezentralen Coworking Spaces ?
Ich plane im Herbst 2018 einen Round Table mit der Stadtverwaltung und den zehn größten Arbeitgebern in München. Dort will ich meine Vision vorstellen, wie wir New Work ganzheitlich umsetzen können, wenn wir alle drei Aspekte: Arbeitsumfeld, Wohnort und Mobilität besser miteinander verknüpfen. Im Kern will ich sie dafür gewinnen über dezentrale Coworking Spaces nachzudenken, die verteilt über das Stadtgebiet und das Umland entstehen könnten. Ich bin mir bewusst, dass dies auf den ersten Blick auf den Widerstand des Standortdenkens von Unternehmen und Verwaltung treffen wird. Aber weil unsere Demografie in Deutschland und damit der Wertewandel der Mitarbeiter doch täglich bei den Problemen mit der Besetzung freier Stellen vor Augen ist, sollten wir uns alle gemeinsam auf den Weg machen, neu zu denken. Wenn z.B. ein Produktmanager für seine Familie ein optimales Zuhause im Münchner Westen gefunden hat, wird er es irgendwann Leid sein, dafür täglich ein bis zwei Stunden im Stau zu stehen, um zu seinem Arbeitsplatz im Münchner Osten zu pendeln. In unserem Zeitalter der Digitalisierung wird er Ausschau halten, ob er als Produktmanager nicht einen gleichwertigen Arbeitsplatz bei  einem anderen Unternehmen näher zu seinem Lebensmittelpunkt finden kann. Vor allem, wenn die Arbeitsbedingungen durch Flexible Working Areas an beiden Standorten optimal sind. Im Interesse der Unternehmen, die ihre Mitarbeiter nicht verlieren wollen, können wir mit den dezentralen Coworking Spaces Lösungen schaffen, welche den Mitarbeitern unnötigen Stress nehmen indem ihnen zusätzliche Lebenszeit geschenkt wird. 

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Gerd Krohn (3.v.li.) mit seinem Team

Wo können dezentrale Coworking Spaces denn entstehen ? Wer soll dafür Flächen erstellen und deren Organisation übernehmen?
Das ist wahrscheinlich die beste Information, welche ich am Round Table im Herbst in die Waagschale werfen kann: Für diese dezentralen Coworking Spaces muss nichts neu gebaut werden. Deshalb hoffe ich ja auch, dass alle großen Konzerne mit am Tisch sitzen werden. Zum einen können wir natürlich leerstehende Gebäude an der Münchner Peripherie dafür nutzen, welche zum Beispiel mit den Immobilienkonzepten der Office Group ausgestattet werden. Aber die benötigten Flächen sind ja auch in den Unternehmen bereits vorhanden. Wir wollen ja z.B. die Arbeitsplätze vom Münchner Westen in den Münchner Osten und umgekehrt verlagern. Dadurch gleicht es sich wieder aus. Neu ist also, dass wir die Nutzerzusammensetzung innerhalb der Gebäude verändern wollen. Wir wollen kreativ überlegen, wie wir in vorhandenen Gebäuden bei Unternehmen und der Verwaltung ausgewählte Flächen einer neuen öffentlichen und gleichzeitig vielseitigen Nutzung zuführen können. Dabei wird natürlich berücksichtigt, dass Unternehmen sich auch in den flexible Working Areas aus Sicherheits- und Datenschutzgründen spezifisch abgrenzen können. Aber das Einmalige an der Umsetzung der Vision wird sein, dass wir New Work ganzheitlich interpretieren und die gewünschte langfristige Win-Win-Konstellation schaffen: 1.Die Unternehmen können ihren Mitarbeitern – nicht nur in der Familienphase – optimalere Arbeitsbedingungen mit deutlich kürzeren Arbeitswegen bieten. 2. Dadurch verknüpft sich für die Mitarbeiter das Arbeiten und Leben wesentlich stressfreier. Wechselabsichten wegen dem hohen Mobilitätsaufwand entfallen und schließlich 3.Unabhängige Player bewirtschaften diese dezentralen Coworking Areas. Sie schaffen nutzerbedarfsorientierte flexible Working Areas sowie Arbeitsplätze. Gemeinsam schaffen wir durch dezentrale Coworking Spaces viele neue Inspirationsorte für New Work, wo sich Kreativitäts- und Wissen-Arbeiter gegenseitig befruchten, um das Arbeiten im 21. Jahrhundert fortzuentwickeln.

Herzlichen Dank Gerd Krohn für diese visionäre Einblicke in das New Work. Viel Erfolg bei den geplanten Zusammentreffen beim Round Table. Wir freuen uns über die Partnerschaft bei der Ideenwerkstatt und sind gespannt auf viele gemeinsame neue aufregende Projekte mit SmartVillage.

…Und wenn euch jetzt das Konzept und die Vision vom smartvillage gefällt, könnt ihr hier Euren nächsten Workshop direkt buchen. Smartvillage Ganghoferstr. 68, 80339 München oder über die: HOMEPAGE.

 

 

 

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